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Die Bibliothek
Altes und Neues zum Thema Judentum

Von Beginn an hat der Verein eine Bibliothek mit Standardwerken zu dem ganzen Spektrum der Thematik aufgebaut, also zum Thema Judentum allgemein, zu Israel, zur jüdischen Religion und Geschichte, zum Antisemitismus und zum Holocaust, zum Verhältnis von Judentum und Christentum, ja sogar zur Stellung der jüdischen Frau in der Gesellschaft.

Zum Bestand gehören zum Beispiel das „Jüdische Lexikon“ von Herlitz und Kirschner und „Der Babylonische Talmud“ in der Übersetzung von Lazarus Goldschmidt. Die Schalom-Bibliothek ist in die Stadtbibliothek Idar-Oberstein integriert und der Öffentlichkeit zugänglich.



LITERATUREMPFEHLUNGEN


M. Doerry über seine Großmutter:  "Lilli Jahn - Mein verwundetes Herz".

 

Daniela Martin "Die Blumen haben gut geschmeckt - Das Leben meiner Urgroßmutter". Gebetbuch von Fanny Neuda: Stunden der Andacht

Dazu hat unser Vereinsmitlglied Robert Strauss eine wundervolle Rezension verfasst, die wir Ihnen hiermit anbieten möchten:

 

Fanny Neuda: Stunden der Andacht

Fanny Neuda war eine österreichische Jüdin. Sie wurde 1819 in Eibenschitz (Mähren) geboren und starb 1894 in Meran. Sowohl ihr Bruder Ahron Adolf Schmiedl wie ihr Mann Abraham Neuda waren bekannte Rabbiner mit jüdischer und weltlicher Bildung. Auch sie war, entsprechend den Mendelssohnschen Vorstellungen von Aufklärung, jüdisch und weltlich gebildet.

„Stunden der Andacht“ erschien 1855 und erlebte 28 Auflagen bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts hinein. Im Untertitel heißt es „Ein Gebet- und Erbauungs-Buch Israels Frauen und Jungfrauen zur öffentlichen und häuslichen Andacht, so wie für alle Verhältnisse des weiblichen Lebens“. Es ist der etwa gleichaltrigen Baronin Louise von Rothschild aus der bekannten Bankiersdynastie gewidmet, ebenfalls eine aufgeklärte Jüdin, die sich durch ihr humanitäres Engagement hervortat.

Die jüdische Publizistin Pnina Navè Levinson hat Gebete von Fanny Neuda in ihrem Buch „Esther erhebt ihre Stimme“ veröffentlicht und über sie geschrieben: „ … war weltweit die erste Jüdin, die nicht nur Gebete verfasste, sondern ein Buch für alle Anlässe zusammenstellte: Stunden der Andacht …“

Das Buch enthält Gebete zu religiösen Angelegenheiten wie dem Sabbat oder den wichtigen Jahresfesten, dann aber auch Gebete zu allen denkbaren Lebenssituationen von Mädchen und Frauen. Zu diesen Lebenssituationen gehören etwa das Gebet eines jungen Mädchens, das Gebet einer Waise, das Gebet einer Braut, das Gebet einer Braut am Hochzeitstage, das Gebet einer Mutter am Hochzeitstage ihrer Tochter usw. Auch zahlreiche Extremsituationen und schwierige Lebensphasen unterschiedlicher Art wie Krankheit, Tod, Alter, seelisches Leid sind in großem Ausmaß berücksichtigt.

Fanny Neuda geht es, wie es im Nachwort heißt, um „die Veredlung des Herzens, die Hebung und Kräftigung der religiösen Gefühle“. Bei diesem Programm steht also – zunächst verwunderlich bei einer Frau, die eher dem neu entstandenen Reformjudentum anzugehören scheint – die religiöse, nicht die weltliche Bildung im Mittelpunkt. Offensichtlich wollte sie der mit der zunehmenden Emanzipation der Juden einhergehenden Verwässerung des religiösen Denkens und Handelns entgegenwirken, weil sie sich von der Religion alles für den Menschen Entscheidende versprach.

Akzeptiert man diese Prämisse und akzeptiert man noch die starke Gefühlsbetontheit der Sprache, so findet man nicht nur eine außerordentlich eindrucksvolle Fülle von Gebeten, sondern in all diesen Gebeten auch Texte von einer Qualität des sprachlichen Ausdrucks, von einer echt jüdischen Intensität des Kreisens um bedrängende menschliche Gefühle, die wohl als einmalig bezeichnet werden kann und sicher zeitlos gültig ist, also auch heute noch helfen kann.

Es fällt übrigens auf, dass es in den Gebeten weniger um Bitten geht, eher um den Dank, was als Zeichen für eine sehr ernste und erwachsene Form der Religiosität gesehen werden kann. Sehr viel Raum nimmt der Ausdruck der Gefühle in Anspruch, des ganzen Gefühlskosmos von der Freude und dem Glücklichsein bis hin zum Schmerz, zur Trauer und Verzweiflung.

Im „Gebet einer Mutter am Grabe ihres Kindes“ schreibt Fanny Neuda zum Beispiel: „Du, o Gott, der du des Menschen Inneres geschaffen und gebildet, du weißt wohl, was einer Mutter ihr Kind ist, du weißt, wie das Mutterherz mit allen Lebensfäden und Fibern ihr Kind umschlingt und umschließt, und wenn der Tod die kalte Hand legt an das Kind, es ihr von der Seite reißt, dann reißt es auch das ganze Herz der Mutter wund.“

Oder ein weiteres Beispiel aus dem „Gebet einer unglücklichen Ehegattin“: „Diese Liebe, die ewig sanft und mild die gegenseitigen Fehler mit ihrem Mantel bedeckt, die gegenseitigen Verdienste erhebt und mit Kronen umflicht, die im Opferbringen ihre Freude findet, und im Tragen und Gedulden an Kraft und Feuer wächst: - wo sie fehlt, da gibt´s nur sündige Triebe, Leidenschaften, die das Herz verzehren, oder es schrumpft das Gemüt unter dem starren, eisigen Hauche der Gleichgiltigkeit zusammen.“

Das Buch umfasst 150 Seiten und ist kombiniert mit dem Siddur, dem jüdischen Gebetbuch, das 400 Seiten aufweist und nach hebräischer Manier von hinten nach vorn, hier also bis weit über die Mitte hinaus gelesen wird. Es ist in Frakturschrift geschrieben, in einem handlichen kleinen Format, aber aufwändig gestaltet mit Ledereinband, Verzierungen und Goldschnitt, allerdings von den Spuren der Zeit beeinträchtigt; einzelne Seiten haben sich gelöst.

Das Buch wurde aus dem Nachlass von Herrn Stenzhorn an den Verein „Schalom“ weitergegeben mit der Bitte, es einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die liberale jüdische Frauengruppe Rosch Chodesch in Berlin hat – nebenbei bemerkt – nach Bemühungen im Internet vier Exemplare zusammenbekommen, um sich mit dem Buch beschäftigen zu können. Ein fünftes Exemplar ist also nun in Idar-Oberstein vorhanden. Es kann im Stadtarchiv eingesehen und gelesen werden.

Robert Strauß

 

 

 

Kontakt

Stadtbibliothek Idar-Oberstein
Bahnhofstr. 1
55743 Idar- Oberstein

Tel.      06781 - 22208
Fax      06781 - 64 - 445
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Schalom - Begegnung mit dem Judentum e.V.